ConflictA-Studie: Wahrnehmung von Konflikten in Kommunen
Die ConflictA, Konfliktakademie der Universität Bielefeld, hat untersucht, wie Konflikte in kommunalen Verwaltungen auf unterschiedlichen Hierarchieebenen eingeschätzt werden. Egoismus und fehlende Solidarität gelten bei allen als Hauptursache für Konflikte.
Wenn es um gesellschaftliche Konflikte geht, spielen die Menschen in den Kommunalverwaltungen eine große Rolle. Denn ob und wie Konflikte bearbeitet werden, hängt davon ab, wie sie von den Verantwortlichen in den Kommunen wahrgenommen und priorisiert werden.
Während Sachbearbeiter:innen im Kontakt mit Bürger:innen häufig direkt mit Konflikten in Berührung kommen, sind Leitungspersonen eher strukturell an Konfliktlösungen beteiligt, beispielsweise bei der Energiewende. Welchen Einfluss haben Rollen, Aufgaben und Hierarchien bei der Wahrnehmung und Bearbeitung von Konflikten in den Verwaltungsbüros? Welche gesellschaftlichen Konflikte gelten bei wem als drängend? Was wird als Hauptursache für Konflikte gesehen? Diese Fragen haben die Wissenschaftlerinnen Marje Trescher, Anna Christina Nowak, Isabella Bauer und Sonja Fücker von der ConflictA, der Konfliktakademie der Universität Bielefeld, in ihrer Studie untersucht.
Drängende Konflikte – auf allen Hierarchieebenen die gleichen?
Migration (40%), Sicherheit und Ordnung (37%) und Verkehr (27%), das sind aus Sicht der Kommunen drängende Konfliktthemen, gefolgt von öffentlichen Investitionen (23%), sozialer Ungleichheit (20%) und Umweltschutz (17%). Bei diesen Zahlen handelt es sich um die durchschnittliche Einschätzung der kommunalen Mitarbeitenden über alle Hierarchiestufen hinweg.
Interessant wird es beim differenzierten Blick auf die verschiedenen Arbeitsebenen: Die unteren (48%) und mittleren (41%) Verwaltungsebenen schätzen beispielsweise Migration als relevantestes Konfliktthema ein, auf der Leitungsebene (35%) wird das Thema erst an dritter Stelle genannt. Aus Sicht der Führungspersonen sind eher Sicherheit und Ordnung und Verkehr Zündstoff für gesellschaftliche Auseinandersetzungen. Große Unterschiede gibt es auch bei der Einschätzung von Hasskriminalität und Bedrohung. Auf der Leitungsebene nannten dies nur knapp acht Prozent als wichtiges Thema in gesellschaftlichen Konflikten, unter den Sachbearbeiter:innen erachten jedoch 17 Prozent das Thema als relevant. Die Energiewende hat bei einem Viertel der Befragten in den Führungsetagen hohes Konfliktpotential, während nur sieben Prozent der Sachbearbeiter:innen das genauso einschätzen.
Gemeinsamkeit: Egoismus und fehlende Solidarität als Konfliktursache
Es gibt jedoch auch Gemeinsamkeiten in der Wahrnehmung. Egoismus und fehlende Solidarität werden von allen Befragten als Hauptursache für lokale Konflikte genannt. Darin sind sich rund ein Drittel der Befragten auf Leitungs-, mittlerer Ebene und unter den Sachbearbeiter:innen einig. Auf Platz zwei werden Diskussionen und Inhalte in digitalen Medien und Social Media für gesellschaftliche Konflikte verantwortlich gemacht. Am wenigsten erachten alle Gruppen ungleiche Lebensbedingungen, ausbleibendes Wirtschaftswachstum und fehlende Chancen zum sozialen Aufstieg als Konfliktursachen. Weniger als zehn Prozent sehen hier Auslöser für Konflikte.
Fazit der Forscherinnen: Für die Bearbeitung kommunaler Konflikte ist es wichtig, Konflikten im Arbeitskontext mit Blick auf unterschiedliche Rollen, Aufgaben und Hierarchieebenen zu begegnen und individuelle Belastungen abzubauen. Sie empfehlen, unterschiedliche Berührungspunkte und Betroffenheit beim Umgang mit Konflikten zu berücksichtigen.
Die Befragung wurde von Juli bis September 2024 durchgeführt. Es wurden 540 Fragebögen ausgewertet. Aufgrund der geringen Rücklaufquote (4,9%) ist die Studie nicht repräsentativ.
Hier gibt es die vollständige Studie: Wie nehmen Verwaltungsakteure Konflikte wahr? – CONFLICTA
Foto: Max-Ferdinand Zeh / Autorin: Martina Rieken