Netzfeuerwehr – 112 fürs Internet

Hass, Desinformation und koordinierte Angriffe aus dem Internet treffen Gruppen, Vereine und Mitglieder oft unvermittelt und mit großer Wucht. Was tun, damit sich Empörung im Netz nicht zu Konflikten ausweitet oder Shitstorms auslöst?

Für Vereine, Verbände und Internet-Communities gibt es niedrigschwellige Alarmstrukturen, um auf Hass und Desinformationen im Internet zu reagieren. Mitglieder und Hauptamtliche können im Notfall einen digitalen Alarmknopf auslösen – das Prinzip nennt sich Netzfeuerwehr und sorgt dafür, dass niemand alleine reagieren muss. Die Netzfeuerwehr ist kein Tool, sondern eine Gemeinschaft, in der sich Einzelne und Gruppen gegenseitig den Rücken stärken.

„Wer weiß, dass die Gemeinschaft schützt, fühlt sich sicherer und engagiert sich stärker“, sagt Björn Kunter, der bei LOVE-Storm das Projekt Netzfeuerwehr mitentwickelt. „Davon profitieren auch Organisationen, die Netzfeuerwehren aufbauen und damit Hass und Konflikte reduzieren können, bevor sich Stimmungen zu Shitstorms hochschaukeln.“

Die Netzfeuerwehr löscht digitale Brände

Eine Netzfeuerwehr kann digitale Flächenbrände löschen. Sie ist die selbstorganisierte, gemeinschaftliche Antwort auf Hass im Netz: ein sozialer Schutzmechanismus, der digitale Zivilcourage mit klaren Strukturen verbindet. Jeder Verein, jede Organisation und Initiative kann eine eigene Netzfeuerwehr gründen.

Das Projekt LOVE-Storm vom Bund für soziale Verteidigung e. V. bietet dafür ein Starter-Training. Interessierte erhalten konkrete Aufbauhilfen und Strategien an die Hand, wie eine digitale Feuerwehr aufgebaut werden kann. Das Training umfasst ein Basistraining in digitaler Zivilcourage, konkrete Anleitungen zur ersten Hilfe bei Netzangriffen und Strategien zum Aufbau solidarischer Netzfeuerwehren. Es kostet 480€ und dauert zwei Mal zwei Stunden.

Aktuell sucht LOVE-Storm nach Vereinen und Verbänden, die ihre Netzfeuerwehr in Kooperation mit LOVE-Storm in einem Modellprojekt aufbauen möchten.

Damit im Notfall effektiv reagiert und geholfen werden kann, braucht es gründliche Vorbereitung und geordnete Strukturen:

  • klare Alarmmechanismen: Was wird wie gemeldet, wer reagiert wann verlässlich und wie schnell?
  • Aktionskonsens und Guidelines: Wie wird reagiert, wo sind die Grenzen?
  • Schulungen in digitaler Konfliktmoderation und Zivilcourage für Hauptamtliche, Gruppenmoderator:innen und Mitglieder
  • Schutzkonzept für die Netzfeuerwehr-Mitglieder selbst
  • regelmäßige Übung und Reflexion – denn nur wer übt, kann im Ernstfall helfen.

Wenn es brennt, alarmieren Beobachtende oder Betroffene die Netzfeuerwehr ihrer Community, bevor Hass und Häme eskalieren. Die geschulten Personen wissen, wer zuständig ist und wie schnell reagiert werden kann. Die konkrete, sichtbare Unterstützung für Betroffene durch die Gemeinschaft weist Angreifende in ihre Schranken und stoppt den Hass.

Hier findet ihr einen Flyer zur Netzfeuerwehr

Kontakt zu LOVE-Storm:

Björn Kunter, Projektreferent
info [at] love-storm [dot] de (info[at]love-storm[dot]de)



 

Text und Illustration: Martina Rieken