Wenn es knirscht, braucht es Können

Konflikte um Windenergie, Unterkünfte für Geflüchtete oder lokale Transformationsprojekte landen immer häufiger in der kommunalen Öffentlichkeit; oft laut, emotional, manchmal nah an der gewaltvollen Eskalation.

Das Kompetenzzentrum Krisen-Dialog-Zukunft (KDZ) der Aktion Zivilcourage e.V. qualifiziert deshalb seit Jahren Menschen aus Verwaltung und Zivilgesellschaft für die Moderation konflikt- und krisenhafter Dialoge. Mit messbaren Effekten: über 200 ausgebildete Moderator:innen, ein wachsender Pool für Ostdeutschland, zwei Weiterbildungspreise und eine neue Schulung, für die man sich bis zum 31. Mai anmelden kann.

Wenn Kommunen in heftige Konflikte geraten, entscheidet oft die Gesprächsführung

„Man hört uns Bürgern ja sowieso nicht zu!“ „Das ist doch längst entschieden!“

Solche Sätze sind für viele Rathäuser längst Alltag. Ob Windkraftplanung, umstrittene Bauprojekte, Schulstandorte oder Unterkünfte für Geflüchtete: Wo Betroffenheit, Misstrauen und politische Polarisierung zusammenkommen, wird aus einer Informationsveranstaltung in der Kommune schnell ein Konfliktraum. Genau hier setzt das Kompetenzzentrum Krisen-Dialog-Zukunft (KDZ) an: Dialog ermöglichen, wenn es schwierig wird – deeskalierend, strukturiert, professionell und demokratiestärkend.

Hierzu baut KDZ seit 2018 systematisch kommunale Moderationskompetenz auf. Dies gelingt einerseits durch eine praxisnahe, mehrmodulige Moderationsschulung und andererseits durch einen Moderationspool für Konflikt- und Krisensituationen, welcher in Kommunen vor allem in Ostdeutschland vermittelt werden kann. Der Verein reagiert damit auf die rasch gewachsene Nachfrage aus den Kommunen nach Bürgerdialogen im Zuge der heftigen Asyldebatten seit 2014, der wachsenden gesellschaftlichen Polarisierung im Aufkommen von Pegida und Rechtspopulisten sowie später der Corona-Pandemie.

Inzwischen wurden 13 Jahrgänge in Sachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Thüringen ausgebildet. Dieses Jahr startet ein weiterer Ausbildungsjahrgang in Erfurt, Thüringen. 2027 sind zwei Durchgänge für Berlin-Brandenburg geplant. Die Teilnehmenden sind Mitarbeitende aus unterschiedlichsten zivilgesellschaftlichen Organisationen, engagierte Einzelpersonen, Führungskräfte aus der kommunalen Verwaltung und immer mehr Bürgermeister:innen.

Was die Moderationsschulung auszeichnet: professionelles Handwerk, Haltung

Die Ausbildungslogik ist klar. Nicht „ein bisschen miteinander reden”, sondern professionelle Moderation für konfliktträchtige Settings, aber auch präventive Dialogformate sollen gelernt werden. Die Module der etwa sechs Monate und 90 Stunden dauernden Schulung decken zahlreiche Themen ab, darunter:

  • Grundlagen der Moderation
  • Moderation konfliktträchtiger Situationen (inkl. Formatwahl, Eskalationsdynamiken)
  • Verbale & nonverbale Kommunikation
  • Rhetorik (inkl. Umgang mit manipulativen Mustern)
  • Eigene Haltung & innere Widerstände (Resilienz, Handlungsleitplanken)
  • Gewaltfreie Kommunikation
  • Online-Moderation
  • Praxisplanung & Vertiefung

Das Programm ist bewusst anwendungsorientiert und beinhaltet Szenario- und Fallarbeit, Videoanalysen realer eskalierter Bürgerversammlungen, unzählige praktische Übungen, Feedback und konkrete Planungsschritte für reale Formate. Am Ende verfügen die Teilnehmenden über alle grundlegenden Kompetenzen, um Demokratie mitzugestalten im Sinne einer guten kontroversen Streitkultur.

Die Fortbildung ist nicht nur gefragt, sie ist auch ausgezeichnet. 2023 erhielt KDZ für die Moderationsschulung den 2. Preis des Innovationspreises Weiterbildung des Freistaates Sachsen. 2025 wurde das Team für die Moderationsausbildung speziell für Menschen unter 27 Jahren „JuDiO – Junger Dialog in Ostdeutschland“ mit einem Sonderpreis des Freistaats Sachsen gewürdigt.

Wirkung aus Sicht der Teilnehmenden: mehr Sicherheit, mehr Reflexion, mehr Handlungsfähigkeit

Doch was bleibt nach so einer Ausbildung; jenseits eines Zertifikats? Stimmen aus der Moderationsschulung 2025 in Erfurt zeigen dass die Teilnehmenden über mehr Beobachtungsschärfe, höhere Interventionssicherheit, bessere Vorbereitung und einen reflektierten Umgang mit dem eigenen Neutralitätsverständnis verfügen. Eine Teilnehmerin beschreibt: „Seit Abschluss der Ausbildung … beobachte ich Moderator:innen viel genauer und entdecke ‘Fehler’.“ Eine andere verbindet es mit konkreter Handlungspraxis: „Durch die Schulung weiß ich, worauf ich achten muss und kann die Veranstaltung gut vorbereiten.“ Und sehr greifbar wird die Schulung dort, wo Störungen und Polarisierung auftauchen, also genau in den Situationen, die Kommunen in Konflikten oft belasten: „Ich setze Unterbrechungen gezielt ein und reflektiere meine ‘Neutralität’.“ 

Diese Art von Rückmeldung passt zu dem, was KDZ als Ziel beschreibt: Dialogräume so zu gestalten, dass Konflikte in ihrer Kontroversität bearbeitbar bleiben; auch unter Druck und bei hoher Emotionalität der Bürger:innen.

Der Moderationspool

Die Schulung endet nicht beim Lernen. Alle Teilnehmenden sind im Nachgang herzlich eingeladen, Teil des ostdeutschen Moderationspools zu werden, der Kommunen und Gruppen in Konflikt- und Krisensituationen unterstützt. Dies bedeutet dann die Vermittlung als freiberufliche Honorarkraft für Moderationen in Kommunen. Wer noch unsicher ist, kann als Ko-Moderation oder im Rahmen einer Hospitation unterstützen. Dazu bietet der Pool einen kollegialen Resonanzraum, Austausch und Möglichkeit für kollegiale Fallberatung. Als weitere Angebote gibt es eine jährliche Klausur (zwei Tage), regelmäßige Weiterbildungen (z. B. Umgang mit Rabulistik, spezifische Dialogformate) und einen Newsletter. Online treffen sich die Pool-Moderator:innen zu Stammtischen, gemeinsamen Videoanalysen oder für Vorträge. Alle Aktivitäten im Pool sind freiwillig, die Moderationseinsätze werden selbstverständlich vergütet.

Wer in den kommenden Monaten Moderationskompetenz aufbauen oder vertiefen oder vielleicht sogar Teil des Moderationspools werden will, hat eine konkrete Gelegenheit:


Die nächste Ausbildungsreihe findet vom 17. September bis 27. November 2026 in Erfurt statt. Bewerbungen sind bis 31. Mai 2026 möglich (kurzer Lebenslauf + Motivationsschreiben): https://krisen-dialog-zukunft.de/2026/05/07/noch-drei-wochen-jetzt-fuer-die-moderationsschulung-fuer-kommunale-konflikt-und-krisensituationen-bewerben/



 Autorin: Dr. Cathleen Bochmann Bild: Aktion Zivilcourage e. V.