Wie umgehen mit Rechtsextremismus? Austausch im Bundesnetzwerk
Rund 15 Teilnehmende aus Forschung, Praxis und Kommunen nahmen Mitte Februar am ersten Online-Austausch im Bundesnetzwerk Konfliktbearbeitung zum Thema Rechtsextremismus und Konfliktbearbeitung teil.
Die Initiative zu diesem Treffen entstand auf der ersten bundesweiten Tagung des Netzwerks, das im November 2025 in Loccum stattfand.
Die erste Begegnung diente dazu, Erfahrungen und Bedarfe zum Thema auszutauschen und weitere Schritte zur Zusammenarbeit im Netzwerk zu planen. Die Vertreter:innen aus der praktischen Arbeit und der Wissenschaft äußerten beidseitig den starken Wunsch, ihre Perspektiven stärker miteinander verknüpfen und auf den Erfahrungen der jeweils anderen aufbauen zu können.
Leise und ungehörte Stimmen lauter machen
Bei vielen Teilnehmenden gab es Interesse daran zu erfahren, wie die anderen mit Anfeindungen aus dem rechtsextremen Milieu umgehen. Insbesondere Fragen der Grenzziehung wurden lebendig diskutiert: Wo setzen allparteilich arbeitende Konfliktberater:innen ein Stoppschild, wenn sie im Beratungsprozess mit menschenfeindlichen und extremistischen Äußerungen konfrontiert werden? Wie können wir die Grundbedürfnisse von rechtsextremen Menschen verstehen und dennoch klare Linien ziehen? Wie widersprechen wir, ohne den Kontakt zu verlieren? Kann ein hohes Maß an Toleranz auch dazu beitragen, extreme Positionen unabsichtlich salonfähig zu machen?
Einige Teilnehmende fragten sich, wie sie leiseren und ungehörten Stimmen in der Gesellschaft Gehör verleihen können, wenn extreme Töne immer lauter werden. In einen gleichberechtigten gesellschaftlichen Dialog zu kommen, sei hier eine große Herausforderung.
Angebote für die Mitte - gesellschaftliches Miteinander wieder stärken
Insgesamt sahen viele Teilnehmende eine Zunahme von demokratieskeptischen Positionen in der Gesellschaft. Der Ton und der Umgang miteinander seien rauer geworden. Es wurde beobachtet, dass die Handlungsfreiheit in vielen Kommunen unter Druck stehe. Dieser gehe von unzufriedenen und unschlüssigen Wähler:innen und den Aktivitäten rechter Akteur:innen aus, die diese Gruppen auf ihre Seite ziehen wollen. Es sei zu befürchten, dass politische Entscheidungen von der Angst vor rechten Akteuren geleitet seien.
Positiv war zu verzeichnen, dass es durchaus Demonstrationen für Demokratie gebe, auch im ländlichen Raum. Die Frage sei, was nach den Demonstrationen geschehe und welche positiven Aktivitäten man der negativ aufgeladenen Stimmung in der Gesellschaft entgegensetzen könnte. Angebote für die politische Mitte wie Stadtteilfeste und Veranstaltungen in Kitas und Schulen seien erfolgreiche Beispiele dafür, wie das gesellschaftliche Miteinander wieder gestärkt werden könne.
Professionelle Konfliktbearbeitung - ein Mehrwert für die Demokratie
Grundsätzlich waren sich die Teilnehmenden darüber einig, dass Konflikte in der Gesellschaft offen und friedlich ausgetragen werden sollten. Hier könne professionelle Konfliktbearbeitung sehr viel leisten. Der Erfolg der Demokratie stehe und falle mit den Mechanismen, mit denen Konflikte ausgetragen würden. Für alle Ebenen der Gesellschaft brauche es passende Mechanismen und Formate für die Konfliktbearbeitung.
Weiterarbeit im Bundesnetzwerk Konfliktbearbeitung
Am Ende des Treffens wurde vereinbart, die angesprochenen Themen zu sondieren und daran in Kleingruppen weiter zu arbeiten. Insbesondere soll ein vertiefter Austausch zwischen Forschung und Praxis der Konfliktbearbeitung in Zusammenhang mit Rechtsextremismus stattfinden. Darüber hinaus soll es Raum geben, um die Beratungspraxis zu reflektieren und Strategien auszutauschen, die Betroffene stärken und Menschen zurückgewinnen, die sich aus Frust von der Demokratie abwenden.
Autorin: Martina Rieken