Umbau bei „Demokratie leben!“: Konfliktbearbeitung braucht Strukturen & Wissen

Der Kooperationsverbund Demokratische Konfliktbearbeitung verliert Ende 2026 die Förderung im Bundesprogramm „Demokratie leben!“. Davon ist auch das Bundesnetzwerk Konfliktbearbeitung betroffen. 

Der Ausbau des Bundesnetzwerks Konfliktbearbeitung (BKB) wird seit Anfang 2025 im Kooperationsverbund Demokratische Konfliktbearbeitung (KV DKB) mit dem Ziel gefördert, bundesweite Strukturen für professionelle Konfliktbearbeitung in Deutschland zu schaffen.

Das BKB wurde 2024 von 15 Organisationen gegründet. Durch die staatliche Anschubfinanzierung im Programm „Demokratie leben!“ wuchs es bis heute auf rund 50 Organisationen. Im BKB tauschen sich Fachleute aus Praxis und Wissenschaft miteinander aus, tragen Erfahrungen zusammen und entwickeln Methoden und Ansätze der Konfliktbearbeitung weiter. Ziel ist es, professionelle Angebote für kommunale Akteur:innen, zivilgesellschaftliche Multiplikator:innen und Regelstrukturen in gesellschaftlichen Konfliktlagen zu bündeln und leichter zugänglich zu machen.

Konfliktbearbeitung braucht Fachwissen und Strukturen

Der angekündigte Umbau von „Demokratie leben!“ sieht künftig weder konstruktive Konfliktbearbeitung als eigenständiges Arbeitsfeld vor, noch ist der weitere Aufbau von bundesweiten Strukturen geplant. Synergien und Vernetzung im Feld der Konfliktbearbeitung werden so geschwächt. „Wir verstehen diese Kehrtwende nicht. Konstruktive Konfliktbearbeitung stärkt den sozialen Zusammenhalt und wirkt Polarisierungen entgegen. Das ist gerade jetzt wichtig“, sagt Christof Starke, BKB-Mitgründer und Vorstand der AGDF e. V., einem der sieben Träger im KV DKB. „Es braucht dafür aber Fachwissen, professionelle Angebote und verlässliche bundesweite Strukturen, an die Betroffene sich wenden können.“

Die Bundesregierung will die Pluralität der Gesellschaft stärker in den Blick nehmen, aktuelle Herausforderungen fokussieren und die Zusammenarbeit mit bestehenden Regelstrukturen, wie Schulen, Sozialarbeit oder Verwaltungen, verstärken. „Diese Ziele teilen wir und setzen sie bereits um“, betont Starke. „Wir bedauern jedoch, dass die Förderung vermehrt Einzelinitiativen in den Blick nimmt. Es gibt so weniger Chancen auf Austausch, Innovation und Professionalisierung.“

Bundesnetzwerk Konfliktbearbeitung bleibt! 

Als zivilgesellschaftliches Netzwerk sieht sich das BKB weiterhin als Partner der Bundesregierung, auch bei der Umsetzung von „Demokratie leben!“. „Wir verstehen uns als wichtiges Bindeglied zu den Regelstrukturen und anderen staatlichen und zivilgesellschaftlichen Akteuren“, sagt Starke. „Daher werden wir uns auch in den kommenden Wochen weiter dafür einsetzen, Konfliktbearbeitung als Arbeitsfeld in den Programmen der Bundesregierung zu verankern.“

Von dem Umbau des Programms „Demokratie leben!“ sind auch Mitglieder des Netzwerks betroffen, z.B. einige der Innovationsprojekte im Themenfeld Konflikttransformation. Ihre begonne Arbeit zur Entwicklung neuer Ansätze und Formate der Konfliktbearbeitung wird eben falls nur noch bis Ende des Jahres vom zuständigen Ministerium gefördert. 

Das Bundesnetzwerk Konfliktbearbeitung bleibt in jedem Fall über das Ende der Förderung hinaus bestehen und wird seine Arbeit durch das Engagement seiner Mitglieder fortsetzen.



 

Autorin: Martina Rieken            Bild: Max-Ferdinand Zeh